Grundlagen

Grundsätzlicher Aufbau

Das folgende Bild zeigt den grundsätzlichen Aufbau des West Coast Swing. Es zeigt den Übergang zwischen den einzelnen Bestandteilen der Figuren, wobei sich die eigentlichen Figuren nur im „Shape“ bzw. „Leave alone“ unterscheiden. Grüne Pfeile stehen für ein kräftigeres Ziehen, gelb für ein schwächeres Ziehen, blau für ein stationäres Halten, rot für ein Drücken, bzw. fehlende Gegenkraft, wenn der Follower versucht Spannung aufzubauen, türkis für eine seitliche Bewegung. (Da die Führung aber aus dem Körper kommt und nicht aus dem Arm ergibt sich das Ziehen und Drücken aus einem Verlängern bzw. Verkürzen des Abstands vom Leader zum Follower)

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Auf den ersten Blick ist das natürlich erst einmal verwirrend, daher hier noch eine detaillierte Erklärung der einzelnen Phasen.

Praktisch jede Figur beginnt mit zwei Schritten auf die Schläge 1 und 2.

Schritt 1: „Move her“

Der erste Schritt dient dazu, den Follower in Bewegung zu setzen. Der Follower führt diesen Schritt immer mit dem rechten Fuß nach vorne entlang des Slots aus. Der Leader führt diese Bewegung aus seiner aktuellen Position heraus. Wenn er aus der neutralen Position startet beginnt er also mit dem linken Fuß nach hinten. Wenn er aber z.B. neben dem Slot steht kann es auch sein, dass er den ersten Schritt seitwärts setzen muss, oder wenn er mit dem Rücken zum Follower steht, dann kann es sein, dass er vorwärts startet.

Am Anfang wird der Follower also beschleunigt (er steht ja und muss erst „in Bewegung gesetzt“ werden). Es entsteht dabei eine Spannung zwischen den Partnern. Die Kraft, die dabei aufgewandt wird, sollte aber recht klein bleiben. Der Leader zerrt also nicht am Follower um ihn in Bewegung zu setzen, sondern er signalisiert nur, dass sich der Follower selbst in Bewegung setzen soll. (Es ist also nur eine „Einladung“ und kein „Erzwingen“.) Außerdem führt der Leader diese Schritte aus dem Körper heraus. Die Arme verändern also ihre Position nur minimal, damit kein Ruck beim Follower entsteht – die zu führende Bewegung des Followers entsteht aber aus der Körperbewegung des Leaders und nicht durch ein Heranziehen oder Wegstoßen mit den Armen

Schritt 2: „Shape her“

Mit dem zweiten Schritt zeigt der Leader die Art der folgenden Figur an. Wenn er den Slot des Followers blockiert, dann weiß der Follower, dass eine blockierende Figur folgt, und er bei Schritt 3 wieder auf dem Slot zurück muss. Wenn der Leader dagegen den Slot frei macht, oder frei lässt, dann folgt für den Follower eine passierende Figur, bei der der Follower weiter laufen kann. Bei passierenden Figuren ist aber darauf zu achten, dass der Follower den Leader bei Schritt 2 noch nicht passiert hat. Egal welche Figur aber folgt, auch im 2. Schritt wird der Follower immer noch beschleunigt, in der Verbindung besteht immer noch Zug.

Mittelteil: „Leave her alone“

Nachdem bei Schritt 2 die grundsätzlichen Weichen gestellt wurden hängen die folgenden Schritte jetzt von der jeweiligen Figur ab. Sie sind jedoch normalerweise eine Mischung aus Triple Steps (Rhythmus „1&2“) und normalen Schritten (Rhythmus „1,2“), wobei es in den Grundvarianten der Figuren immer eine ungerade Anzahl an Triple Steps ist. In dieser Phase wechseln sich Beschleunigung und Verzögerung, sowie neutrale Phasen und Drehungen ab.

Generell ist dieser Teil aber der Teil, in dem der Follower den weitesten Weg zurücklegt und auch die längsten Schritte tanzt. (auf 1 und 2 wird der Follower beschleunigt, erreicht im Mittelteil die höchste Geschwindigkeit um dann vor dem Anchor wieder abgebremst zu werden.)

Der Follower kann die Struktur der folgenden Schritte an der Führung des Leaders erahnen. Bei Verringerung des Abstands zum Leader, bzw. einer Verzögerung seiner Bewegung tanzt er Triple Steps, bei Beschleunigung oder gleichbleibender Geschwindigkeit normale Schritte. Das sind aber nur grobe Richtlinien – letzten Endes ist auch nicht wichtig, ob der Follower Double oder Triple Steps tanzt, solange er auf die Beschleunigung und Verzögerung des Leaders reagiert. Falls der Follower beim Anchor den falschen Fuß frei hat kann er das entweder im Anchor oder am Anfang der neuen Figur wieder ausgleichen.

Auch eventuelle Drehungen werden vom Leader angezeigt. Wobei es hier verschiedene Figuren gibt: Bei manchen Figuren muss der Follower zwangsweise drehen, während bei anderen Figuren der Follower frei entscheiden kann ob und wie viel er drehen will.

Mittelteil beenden

Der Mittelteil wird beim letzten Takt (bei der 4 einer 6-count Figur, bzw. bei der 6 einer 8-count Figur) durch die Vorankündigung des Anchors beendet. Der Leader hält mit der Führungshand gegen die Bewegung des Followers um den Follower abzubremsen. Das erfolgt aber nicht ruckartig sondern es ist ein weiches Abstoppen. Der Leader achtet dabei darauf, dass der linke Fuß etwas nach vorne gesetzt wird, ohne aber das Körpergewicht komplett über den Fuß zu bekommen. Dadurch erhält der Leader eine stabile Position um den Follower abzubremsen. Diese Aktion wird auch als „Post on four“ bezeichnet. Gleichzeitig wird hier auch der aktive Part an den Follower übergeben. („Follower owns the 4“ / „follower owns the 6“)

Abschluss: Anchor

Den Abschluss einer Figur bildet immer eine Anchor Aktion. Im einfachsten Fall ist das ein Anchor Step, also ein Triple Step. Für den Leader beginnt der Anchor mit rechts, für den Follower mit links, so dass danach jeder wieder den richtigen Fuß frei hat.

Der Anchor Step wird vom Leader an der Stelle getanzt, wobei er den rechten Fuß etwas hinter dem linken aufsetzt und damit auch die Hüfte etwas nach rechts gedreht hat. (Diese Position wird manchmal auch in Anlehnung an das Ballett als 3rd position bezeichnet, auch wenn die Füße beim West Coast Swing natürlich nicht nach außen gespreizt werden.) Der Anchor Step ist erkennbar daran, dass die Führungshand stationär bleibt, unabhängig von den restlichen Aktionen. Also kein Ziehen, Drücken oder Wackeln seitens des Leaders. Manchmal wird diese Aktion sehr prägnant auch „Posting“ genannt, als ob sich die Führungshand in einen stationären Pfosten verwandelt.

Während des Anchors ist es die Aufgabe des Followers die Connection wieder herzustellen. Idealerweise nutzt der Follower hierfür den Schwung, der aus der letzen Figur noch vorhanden ist. Klassisch sollte der Follower dann bei der 5 (bei einer 6-count Figur) zum Stillstand gekommen sein. (Aber nicht ruckartig stehen bleiben, sondern über 4&a5 langsam und fließend abbremsen, so dass am Ende der richtige Abstand entstanden ist)

Die Aktion, die Verbindung wieder herzustellen, wird manchmal auch im übertragenen Sinne als „Das Seil spannen“ bezeichnet. Bei diesem Bild ist der Leader der Anker – seine Aufgabe ist es fest am Platz zu bleiben – und der Follower ist das Boot, das sich bewegen muss, damit das Ankerseil gespannt wird.

Pannenhilfe des Leaders

Eigentlich ist es der Job des Followers im Anchor die Verbindung wieder herzustellen. Insbesondere wenn man als fortgeschrittener Leader mit unerfahrenen Followern tanzt kann es aber passieren, dass der Follower diese Aufgabenteilung nicht kennt und bisher keine Probleme hatte, da er mit dem eigenen Partner ein „eingespieltes Team“ war, wo jeder auf die Fehler des anderen achtet und diese umschifft. Wenn aber im Anchor keine Connection hergestellt wurde, dann wird auch die nächste Figur nicht gut funktionieren, daher muss der Leader versuchen das Problem zu lösen.

Der nahe liegende Weg ist der, dass der Leader versucht, selbst wieder eine Spannung herzustellen, indem er seinen Anchor leicht vom Follower weg bewegt. Er muss hierbei aber aufpassen, dass er nicht zu viel Spannung erzeugt, da manche Follower das dann schon als Signal zum Loslaufen interpretieren und dann noch vor der 1 wieder starten. (manchmal auch nicht passend zum Takt der Musik – hier hat man dann als Leader oft Mühe in der nächsten Figur wieder eine connection herzustellen und wieder in den Takt zu kommen.)

Manchmal reicht es auch schon – je nach Follower – den Anchor extrem deutlich stationär anzuzeigen und nicht zu versuchen connection vor dem Ende des Anchors aufzubauen, sondern bei der 1 ggf. eine etwas größere Strecke zu laufen und so wieder Spannung herzustellen.

Diese beiden Ansätze können beim Tanzen auf Wettbewerben (wo man als Leader manchmal auch sehr unerfahrene Follower erwischen kann) problematisch sein, da die Wertungsrichter unter Umständen nur sehen, dass der Anchor nicht korrekt getanzt wird und die Ursache nicht erkennen. Daher kann er hilfreich sein, als Leader die korrekte Technik zu tanzen und den Follower mit der Führungshand an die richtige Position zu schieben. Follower mit ein bisschen Erfahrung reicht dieser Impuls oft schon aus um sie daran zu erinnern, dass sie im Anchor die Verbindung wieder herstellen müssen und werden das dann auch wieder machen.

Unsichtbarer Anchor

Fortgeschrittene Tänzer tanzen nur selten den klassischen Anchor Step als Triple Step. Hier ist der Anchor Step beim Zuschauen nur als kurze stationäre Phase vor dem Start den nächsten Figur erkennbar. Bei Jordan Frisbee und Tatjana Mollman wird z.B. der Anchor oft reduziert auf eine Verzögerung und einen einzigen stationären Schritt, der eher den Charakter eines Absetzens hat. Das hat den Vorteil, dass der Anfang des Anchors noch zu der vorausgegangen Aktion dazugeschlagen werden kann und die manchmal etwas langweilige und unattraktive Anchor Phase verkürzt wird. Aber in diesem Fall ist es trotzdem wichtig, zumindest auf dem letzten Schritt zur Ruhe zu kommen, um den charakteristischen ersten beschleunigenden Schritt durchführen zu können. Insbesondere als Anfänger sollte man aber den Anchor immer ausführen. Allein schon, um dem Partner die Chance zu geben, das Ende der Figur zu erkennen, die Connection wieder herzustellen und sich auf die neue Figur vorzubereiten.

Play

Nach dem Anchor geht es nicht automatisch mit den nächsten Figur weiter. Statt dessen muss der Follower auf das Signal des Leaders warten. Das kann auch 2, 4, 6 oder noch mehr Schläge später kommen. Diese Zeit, bis zum Start der nächsten Figur kann man nutzen um besondere Aktionen durchzuführen, oder ganz allgemein mit der Musik zu spielen. Es gibt in dieser Phase fast keine Regeln, außer dass der Leader das Ende dieser Phase deutlich anzeigen muss (und das macht er natürlich nicht, wenn der Follower gerade mit einer komplexen Bewegung beschäftigt ist und jetzt den Schritt 1 nicht ausführen kann…). Man sollte diese Phase aber auch nicht zu sehr ausdehnen – Profis machen im normalen Tanz selten mehr wie 2 Beats – je spektakulärer die Aktion in der Play Phase aber ist, desto länger darf diese Phase auch andauern.

Alternativer Ansatz: Erst Play dann Anchor

Alternativ zu dem Ansatz zuerst zu anchorn und dann in die Play Phase überzugehen (diese Variante wird z.B. von Marc Held unterrichtet), gibt es auch die Möglichkeit zuerst eine Play Phase zu tanzen, dann in den Anchor zu wechseln und dann sofort mit der nächsten Figur weiterzumachen (wird z.B. von Mario Robau unterrichtet). Wenn man diese Variante wählt, dann leitet man den Beginn der Play Phase durch eine seitliche Bewegung ein (i.d.R. von Leader aus gesehen nach rechts, bzw. vom Follower nach links). In diesem Fall wird durch die seitliche Bewegung, die es ja sonst nicht gibt klar, dass das normale Schema verlassen wird. Das Problem bei diesem Ansatz ist jedoch das Tanzen nach der Musik. Da hier nach dem Play immer noch ein Anchor folgt ist es relativ schwer mit der nächsten Figur auf der musikalischen 1 zu starten. Man muss hierfür immer einen Überblick haben, wo man sich musikalisch befindet und den Tanz vorausplanen. Tänzer, die eher mathematisch an das Thema Musikalität herangehen, wie z.B. Mario Robau können diesen Ansatz daher gut umsetzen. Wer dagegen die Musik erst beim Hören umsetzen will, oder wer nicht mehr wie 1-2 Schläge im voraus planen kann oder will der ist mit dem Ansatz Anchor und dann Play besser bedient.

Rock and Go

Alternativ zum Anchor kann auch ein Rock and Go getanzt werden, um zwei Figuren miteinander zu verknüpfen und dabei den Anchorstep der ersten Figur mit den ersten beiden Schritten der nächsten Figur zu verschmelzen und dabei effektiv 2 Schritte bzw. 2 Beats einzusparen um z.B. auf die Musik zu reagieren.

Stalking / Extensions

Wenn man die Figuren nicht verkürzen, sondern verlängern will, dann kann man Stalking, bzw. Extensions verwenden. Dabei werden einfach zwei weitere gelaufene Schritte in die Figur eingefügt.

Fließende Optik

Beim Tanzen will man einen fließenden Eindruck erreichen. Man hört manchmal auch den Satz „West Coast Swing soll aussehen wie fließendes Wasser“. Um diese Wirkung zu erreichen solle man vermeiden, dass Stillstand entsteht. Statt dessen sollte man alle Bewegungen so schnell oder langsam ausführen, dass man immer zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle ist, ohne dass man auf die Musik warten muss. Das gilt sowohl für die Bewegungen des Körpers und der Arme als auch für die Schritte.

Man kann z.B. auch im Anchor eine noch fließendere Optik erreichen, wenn der Follower zu „&a6“ den Oberkörper weiterdreht, so dass die Bewegung nicht schlagartig endet.

Eine andere Möglichkeit zur Erreichung eine fließenden Optik im Anchor (wird so vom ADTV unterrichtet) besteht darin, als Follower einfach weiter zu laufen und dabei die Schrittlängen so zu variieren, dass am Ende eine „extended position“ entsteht und auf den Armen eine leichte Spannung herrscht. (sieht auch gut aus, ist aber eben nicht die klassische, reine Technik)

Fazit

In seiner einfachsten Form ist der West Coast Swing ein Beschleunigen und Abbremsen des Followers entlang des Slots kombiniert mit einzelnen Drehungen, während der Leader meist relativ stationär an einer Stelle verbleibt und den Follower entweder blockiert oder den Slot verlässt um ihn passieren zu lassen.

Um West Coast Swing tanzen zu können reichen vergleichsweise wenige Figuren aus, sowie die Bereitschaft diese Basisfiguren etwas zu variieren.

Grundfiguren

Push Break (Sugar Push)

Left Side Pass

Underarm Turn

Release Whip oder auch Basic Whip

Erweiterte Grundfiguren

  • Lazy man’s tuck (Tuck Turn, Sugar Tuck, oder Front Tuck)
  • Starterstep

Variationen

Aus den wenigen Grundfiguren lässt sich bereits ein sehr abwechslungsreicher Tanz gestalten, wenn man die Figuren variiert.

  • Anchorstepvariationen
  • Rock & Go
  • Handvariationen (welche Hand, Höhe der Hand)
  • Extensions
  • Schritte hinzufügen oder entfernen
  • Synkopieren
  • Rotation / Richtung der Rotation
  • Paarposition
    • Position der Oberkörper zueinander (Drehgrad und Neigung nach vorne/hinten)
    • Abstand: eng zusammen („close position“) oder normal.
    • Höhe (Tanzen in normaler Position, tief in den Knien, erhoben in den Zehenspitzen)
  • Schrittgröße (klein oder groß)
  • Art der Bewegung: sanft oder mit viel Energie, eckig oder geschmeidig, Füße am Boden schleifen lassen oder deutlich sichtbar abheben

Das wirkt insbesondere dann bereits sehr überzeugend, wenn man dabei auf die Musik eingeht. (z.B. leise Musik tanzt man eng aufeinander mit kleinen Schritten, wenn es in der Musik um Liebe und Zuneigung geht neigt man den Oberkörper zum Partner, wenn es um Aggressionen geht neigt man sich vom Partner weg, tanzt weit auseinander und mit großen Schritten) Siehe hierzu auch die Seiten über Musikalität.

Es gibt im West Coast Swing zu jeder Figur unzählige Variationen und es werden auch immer wieder neue Variationen erfunden. Es ist für einen West Coast Swing Tänzer sinnlos zu versuchen „alle“ Varianten zu kennen und zu lernen. Stattdessen sollte man versuchen, ein paar wenige, attraktive, gut zu führende Varianten zu lernen und ansonsten generell zu versuchen beim Tanzen flexibel zu werden.

Generell versuchen insbesondere fortgeschrittene Tänzer ihren Tanz so zu variieren, dass der Zuschauer das System hinter dem Tanz möglichst nicht mehr erkennen kann. Es soll also keine feste Abfolge von immer wieder gleich aussehenden Elementen gezeigt werden, sondern eine immer wieder andere Optik entstehen, auch wenn letzten Endes nur sehr wenige Elemente auf immer wieder andere Art abgewandelt werden.

Improvisieren

Man ist im West Coast Swing nicht gezwungen immer nur feste Figuren zu tanzen und leicht abzuwandeln, sondern man kann auch zwischendurch komplett frei improvisieren. Das sind vergleichsweise moderne Trends, bei denen der Einfluss des Contemporary auf den West Coast Swing zu spüren ist. Beim Improvisieren hat man zwar sehr viele Freiheiten, da es sich aber um einen Paartanz handelt müssten trotzdem ein paar einfache Grundregeln eingehalten werden, damit es im Paar harmonisch bleibt:

Improvisieren beim Anchor

Der Anchorstep wird immer vom Leader eingeleitet und wieder beendet. In der Regel dauert die Anchoraktion 2 Beats und wird als Triplestep (Schritt & Schritt) getanzt. Was man genau während des Anchors macht ist aber frei gestellt. Das kann der klassische Anchorstep sein, oder auch nur ein einzelner Schritt oder ein Schritt-Tipp – Hauptsache am Ende des Anchors hat der Leader den linken und der Follower den rechten Fuß frei, so dass er damit loslaufen kann. Der Anchor ist auch nicht auf 2 Beats begrenzt. Man kann auch 4 oder 6 oder eine andere gerade Anzahl von Beats warten bis man mit der nächsten Figur startet. Damit der Follower eindeutig erkennen kann, wann die nächste Figur startet ist es sehr wichtig, dass bis dahin die Führungshand komplett ruhig bleibt, egal was die Beine oder der restliche Körper machen. Für den Follower bedeutet das aber auch, dass er erst loslaufen darf, wenn er in der Führungshand einen eindeutigen Zug spürt, bzw. sieht, dass der Partner losläuft. Das ermöglicht z.B. kurz vor dem Phrasenende etwas länger zu anchorn um dann dann direkt mit dem Phrasenanfang wieder loszulaufen. Oder man kann eine musikalisch ungewöhnliche Passage in der Musik vertanzen indem man einfach coole Bewegungen macht und muss nicht zwangsweise einfach weiter seine Schritte ablaufen.

Siehe hierzu auch Anchorstepvariationen

Panne beim Anchor

Was macht man, wenn die Musik beim Anchor so klingt, dass ein normaler Triple-Step musikalisch einfach nicht passt, oder wenn man im Anchor improvisiert hat und dann der Leader zu einem Zeitpunkt startet, wo man den falschen Fuß frei hat? Oder wenn man als Leader gerade improvisiert hat und dann die Musik sich schlagartig ändert und man das durch den Start einer neuen Figur vertanzen will, aber auch den falsche Fuß frei hat? Oder wenn der Follower einfach losläuft ohne dass der Leader ein Signal dazu gegeben hat und der Leader gerade den falschen Fuß frei hat? Ganz einfach: man fängt mit dem anderen Fuß an. Theoretisch könnte man so die ganze Figur mit dem falschen Fuß durchtanzen – bei den meisten einfachen Figuren würde es funktionieren und ein Außenstehender würde das vermutlich noch nicht einmal bemerken. Im Normalfall wird man aber versuchen so schnell wie möglich wieder in den normalen Modus zu wechseln. Der einfachste Weg dazu besteht darin, die ersten beiden Schritte nicht als 1,2 sondern als 1&2 zu tanzen (also als normalen Triple-Step). In diesem Fall bewegt sich dann nicht nur der erste sondern die ersten beiden Schritte entlang des Slots und der dritte Schritt entspricht bereits wieder der klassischen zweiten Schritt der Figur. Dabei versucht man die ersten beiden Schritte so von der Schrittlänge anzupassen, dass der Partner keinen Unterschied zum normalen Ablauf der Figur bemerkt. Für anspruchsvolle Tänzer ist dabei wichtig, dass dadurch, dass man einen normalen Triple-Step tanzt für den Außenstehenden klar wird, dass es hier kein Fehler in der Beinarbeit war, sondern, dass es eine gewollte Variation des normalen Timings war. Wenn man das Starten mit dem falsche Fuß gut beherrscht ist das auch eine große Hilfe beim freien Improvisieren, da man keine Angst haben muss am Ende auf dem falschen Fuß zu landen und dann abbrechen zu müssen. Es lohnt sich also, das zu üben.

Improvisieren während der Figur

Eigentlich sollte man während einer Figur nicht improvisieren. Manchmal allerdings entstehen Situationen wo der Partner sich anders als erwartet verhält weil er/sie nicht merkt welche Figur der andere gerade tanzen wollte oder die Figur vielleicht gar nicht kennt. Oder weil der Partner etwas in der Musik gehört hat, was er/ sie sofort vertanzen wollte. Dann sollte man nicht einfach abbrechen und stehen bleiben, sondern das beste aus der Situation machen.

Wenn man aus Versehen in einer Position gelandet ist, die einer bekannten Position aus einer Grundfigur entspricht, dann kann man einfach in diese Grundfigur wechseln und die Figur entsprechend abschließen.

Falls es aber eine ausgefallenere Position ist, dann sollten beide Partner versuchen die Connection nicht zu verlieren, bzw. möglichst schnell wieder herzustellen. Bei der Beinarbeit zieht man sich auf die Grundregeln zurück: Konstante Geschwindigkeit oder Beschleunigung: Step-Step. Beim Abbremsen: Triple-Step. Drehungen versucht man so abzuschließen, dass man wieder zum Partner schaut. Falls keine Connection mit der Hand möglich ist, kann man auch versuchen, an der Schulter oder an der Hüfte wieder Kontakt herzustellen. Außerdem sollte man versuchen wieder einen mittleren Abstand herzustellen. (Es ist nicht gut möglich mit einer neuen Figur zu starten, wenn der Abstand zu klein oder zu groß ist.) Wenn dann der Leader den Anchor signalisiert muss man ggf. noch die Anzahl Schritte im Anchor variieren um für die nächste Folge wieder den richtigen Fuß frei zu bekommen. Auch wenn man in so einer Situation in Panik geraten kann ist es doch sehr wichtig ruhig zu bleiben, sich nichts anmerken zu lassen und den Partner anzulächeln. Aus solchen Situationen entstehen oft die spannendsten Figuren die dann auch die Zuschauer in Erstaunen versetzen, da es eben nicht die Standardfolgen sind, die man immer und überall sieht.

Technik

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